In diesen Zeiten des Kriegs gegen die Ukraine überbieten sich die Nachrichten an Traurigkeiten und die Tage/Nächte an unfassbarem menschlichen Leid. Wir sind gelähmt, schockiert, bedrückt und beängstigt. Wir können uns in gute Bücher flüchten, ohne dennoch dem Leben zu entkommen.
Für mich schon jetzt eines der besten Bücher des Jahres ist „Rombo“ von Esther Kinsky. Und es passt eben auch in unsere dunkle Zeit. Rombo ist der Sound des Buches, fast poetisch für ein Erdbeben, jene beiden im Mai und September 1976 im nordöstlichen Italien, dem Friaul. Tausend verlieren ihr Leben, Zehntausend Heimat und Obdach. Landschaften und Wege, Dörfer und Dome zeichnet die Autorin gekonnt nach der Katastrophe in Sprache. Sieben Bewohner benennen ihre Verluste und Traumata. Wir schwelgen in Landschaft und hängen der Autorin tatsächlich an den Lippen, wenn sie aus ihrem großen Wortschatz schöpft: Begriffe und Wörter, die wir selten oder lange nicht gelesen haben. Unzählige Bilder entstehen, ein Film kann nicht treffender sein als diese Worte. Die Bergbilder sind Gemälden gleich, Kinskys Sprache findet Worte auch für das Unaussprechliche. Einzelne, oft kurze und überschaubare Kapitel sind jeweils mit den Namen überschrieben, für deren Geschichten und Empfinden sie stehen: Anselmo, Mara, Olga, Toni, Gigi, Lina und Silvia. Sie haben ein Gesicht, andere Kapitel eine Geographie – von Ortsnamen und Staatsstraßen bis „Tal“ , „Sattel“ und „Himmel“.
Esther Kinsky gelingt eine zutiefst menschliche Komposition um das Verlieren und Erinnern, die größte Anforderungen an das Gedächtnis und die Sprache stellen. Ein Memorial steht am Ende, der Wiederaufbau des Domes mit nummerierten Steinen wie die Zeichen der Pilger durch Jahrhunderte. Das Verlieren endet nicht – zu allen Zeiten bis in diese – , das Bewahren von Gedanken und Erinnerungen gehört zum Menschenleben dazu. Eine Sprache und die Wörter für Existenz zu finden – für das Verlorene.
Der Verlag schreibt:
Im Mai und im September 1976 erschüttern zwei schwere Erdbeben eine Landschaft und ihre Bevölkerung im nordöstlichen Italien. An die tausend Menschen sterben unter den Trümmern, Zehntausende sind ohne Obdach, viele werden ihre Heimat, das Friaul, für immer verlassen. Die Materialverschiebungen infolge der Beben sind gewaltig, sie bilden neues Gelände, an denen sich die Wucht des Eingriffs ablesen und in die Begriffe der Naturkunde fassen lässt. Doch für das menschliche Trauma, für die Erfahrung der plötzlich zersprengten Existenz, lässt sich die Sprache nicht so einfach finden.
In Esther Kinskys neuem, noch vor Erscheinen preisgekröntem Roman berichten sieben Bewohner eines abgelegenen Bergdorfs, Männer und Frauen, von ihrem Leben, in dem das Erdbeben tiefe Spuren hinterlassen hat, die sie langsam zu benennen lernen. Von der gemeinsamen Erfahrung von Angst und Verlust spleißen sich bald die Fäden individueller Erinnerung ab und werden zu eindringlichen und berührenden Erzählungen tiefer, älterer Versehrung.
In diesen Zeiten des Kriegs gegen die Ukraine überbieten sich die Nachrichten an Traurigkeiten und die Tage/Nächte an unfassbarem menschlichen Leid. Wir sind gelähmt, schockiert, bedrückt und beängstigt. Wir können uns in gute Bücher flüchten, ohne dennoch dem Leben zu entkommen.
Für mich schon jetzt eines der besten Bücher des Jahres ist „Rombo“ von Esther Kinsky. Und es passt eben auch in unsere dunkle Zeit. Rombo ist der Sound des Buches, fast poetisch für ein Erdbeben, jene beiden im Mai und September 1976 im nordöstlichen Italien, dem Friaul. Tausend verlieren ihr Leben, Zehntausend Heimat und Obdach. Landschaften und Wege, Dörfer und Dome zeichnet die Autorin gekonnt nach der Katastrophe in Sprache. Sieben Bewohner benennen ihre Verluste und Traumata. Wir schwelgen in Landschaft und hängen der Autorin tatsächlich an den Lippen, wenn sie aus ihrem großen Wortschatz schöpft: Begriffe und Wörter, die wir selten oder lange nicht gelesen haben. Unzählige Bilder entstehen, ein Film kann nicht treffender sein als diese Worte. Die Bergbilder sind Gemälden gleich, Kinskys Sprache findet Worte auch für das Unaussprechliche. Einzelne, oft kurze und überschaubare Kapitel sind jeweils mit den Namen überschrieben, für deren Geschichten und Empfinden sie stehen: Anselmo, Mara, Olga, Toni, Gigi, Lina und Silvia. Sie haben ein Gesicht, andere Kapitel eine Geographie – von Ortsnamen und Staatsstraßen bis „Tal“ , „Sattel“ und „Himmel“.
Esther Kinsky gelingt eine zutiefst menschliche Komposition um das Verlieren und Erinnern, die größte Anforderungen an das Gedächtnis und die Sprache stellen. Ein Memorial steht am Ende, der Wiederaufbau des Domes mit nummerierten Steinen wie die Zeichen der Pilger durch Jahrhunderte. Das Verlieren endet nicht – zu allen Zeiten bis in diese – , das Bewahren von Gedanken und Erinnerungen gehört zum Menschenleben dazu. Eine Sprache und die Wörter für Existenz zu finden – für das Verlorene.
Der Verlag schreibt:
Im Mai und im September 1976 erschüttern zwei schwere Erdbeben eine Landschaft und ihre Bevölkerung im nordöstlichen Italien. An die tausend Menschen sterben unter den Trümmern, Zehntausende sind ohne Obdach, viele werden ihre Heimat, das Friaul, für immer verlassen. Die Materialverschiebungen infolge der Beben sind gewaltig, sie bilden neues Gelände, an denen sich die Wucht des Eingriffs ablesen und in die Begriffe der Naturkunde fassen lässt. Doch für das menschliche Trauma, für die Erfahrung der plötzlich zersprengten Existenz, lässt sich die Sprache nicht so einfach finden.
In Esther Kinskys neuem, noch vor Erscheinen preisgekröntem Roman berichten sieben Bewohner eines abgelegenen Bergdorfs, Männer und Frauen, von ihrem Leben, in dem das Erdbeben tiefe Spuren hinterlassen hat, die sie langsam zu benennen lernen. Von der gemeinsamen Erfahrung von Angst und Verlust spleißen sich bald die Fäden individueller Erinnerung ab und werden zu eindringlichen und berührenden Erzählungen tiefer, älterer Versehrung.