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Belletristik

Selbstregulierung des Herzens

Roman | Shortlist Deutscher Buchpreis 2026

Peggy Mädler
Selbstregulierung des Herzens

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Ein Roman über das Ringen um Nähe, um Liebe, Loyalität und Freundschaft im Schatten staatlicher Kontrolle. Ein bestechendes Porträt von der Kraft und Zerbrechlichkeit menschlicher Bindungen, dem Enthusiasmus des Neuanfangs und dem Verlust von Illusionen.

Selbstregulierung des Herzens entfaltet ein vielfältiges Panorama des Lebens in der DDR und im frisch wiedervereinigten Deutschland. Im Zentrum stehen Georg, der anfangs noch hofft seinen Staat mithilfe von ersten Computern und Kybernetik vorwärtszubringen, und die Künstlerin Mona. Um sie herum entwickelt sich ein reiches Ensemble an Figuren: der illusionslose Intellektuelle Roland, der in den Westen flieht; Marlies, die versucht,das System von innen zu reformieren, sowie die Künstlerfreunde Monas. Alle treffen sich in einem Dorf in der Nähe von Wandlitz, wo bald seltsame geheime Bautätigkeiten beginnen. Mit stiller Wucht schreibt Peggy Mädler über das Flirren zwischen Halt und Auflösung – über Nähe und Entfremdung, Anpassung und Resilienz.

Empfohlen von Barbara Stöcker

Barbara Stöcker

Der Roman beschreibt das Leben in der ehemaligen DDR beginnend von 1962, über die Wiedervereinigung bis nah an unsere  Gegenwart. Georg, dessen Leben im Zentrum des Romans steht, kommt aus  einfachen Verhältnissen. Zum Studium wird er vom Staat delegiert und so wird ihm das Fach Ökonomie zugeteilt. “Willst also Sesselpupser werden!“ lautet der Kommentar seines Vaters. Georg ist ein strukturiert denkender Mensch, interessiert sich für kybernetische Zusammenhänge, d.h. für die Steuerung und Kommunikation in Maschinen und lebenden Systemen und sieht hierin sowie in den immer effektiveren Rechenmaschinen eine Möglichkeit, die Wirtschaft und das Arbeitsleben zu revolutionieren. Er lernt die impulsive, lebensfrohe Helga kennen, wenige Jahre später heiraten sie, ihr erstes Kind wird geboren. Gleichzeitig spüren sie aber eine zunehmende politische Veränderung. Sein engster Freund Roland wird an der Hochschule wegen seiner Vorstellung einer Liberalisierung der Wirtschaft zunehmend unter Druck gesetzt. Die Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 wird dann zu einer Zäsur für die Freunde. Sie bedeutet das Ende ihrer Hoffnungen und ihrer Ideen. In dem Dorf in der Nähe von Berlin, wo sich Georg ein Wochenendhaus baut, lernt er Mona  und Konrad kennen, die davon träumen, in der DDR als freischaffende Künstler arbeiten zu dürfen. Die Wege dieser Menschen begleitet der Leser aus unterschiedlicher Perspektive. Die Autorin schreibt dabei in einer nüchternen, aber äußerst präzisen und treffsicheren Sprache, mit der sie nicht nur die Verhältnis in der DDR urteilsfrei darstellt sondern auch ihre Protagonisten  so beschreibt, dass wir ihnen als Leser nahe kommen und ihre Gefühlswelt nachvollziehen können. Dies ist einer der Romane, der mir das Leben in der DDR Diktatur mit am deutlichsten verlebendigt haben. Die Autorin macht den Menschen in der DDR keine Vorwürfe, wenn sie sich nicht gegen das Regime  gestellt haben. Stattdessen beschreibt sie ihre unterschiedlichen Lebenssituationen, Entscheidungen und ihre innere Zerrissenheit. Es wundert mich nicht, dass dieser Roman auf der Longlist des deutschen Buchpreises 2026 steht.