Empfohlen von Barbara Stöcker
Richard ist circa acht Jahre alt und lebt nach dem Krieg auf dem Hof der Familie seines Onkels. Der Junge fühlt sich fremd, er bleibt in der Familie ein Außenseiter und hat auch keine engere Beziehung zu den anderen Kindern des Dorfes. An seine Eltern hat Richard keine Erinnerungen. Der einzige Mensch, dem er seine Gedanken anvertrauen mag, ist sein Großvater. Doch dieser nimmt ihn nur gelegentlich zu Spaziergängen mit und hält sich dann immer wieder für längere Zeit von dem Hof fern. Je älter aber Richard wird, umso mehr unbeantwortete Fragen tauchen in ihm auf und lassen ihn nicht mehr los. Die zentrale, entscheidende Frage ist für ihn: Wer bin ich? Richard versucht Antworten zu finden.
Die Gefühlswelt und die Gedankengänge des Jungen werden in einer fast schlichten Sprache eindringlich und überzeugend dargestellt. Als Leser spürt man die Ängste des Jungen intensiv mit: Das Gefühl, ein Außenseiter zu sein, die einengende und zum Teil bedrückende Welt, geprägt durch den strengen Dorfschullehrer und insbesondere den Pfarrer. Richard möchte sich ganz in sich selbst zurückziehen. Immer wieder findet er dabei „seinen Ort, abseits, ungesehen und alles sehend.“ So kann er, wie der Autor es nennt, ein wenig ins Nichts versetzt unsichtbar für die anderen sein, in einer Welt, in die niemand sonst Zugang hat und in der er sich geschützt fühlt. Der Leser wird durch Richards Sicht und seine Gedanken selbst zu einem stillen Beobachter der Familie und der Dorfbewohner und erfährt dabei ein ausgesprochen intensives und überzeugendes Leseerlebnis. Umso erstaunlicher ist es , dass es sich bei dem Roman um ein Erstlingswerk handelt und man kann nur hoffen, dass ihm noch weitere folgen werden!